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Aus Ihrer Ausbildung, Studium oder Ihrer Berufserfahrung wissen Sie vielleicht bereits viel über Konferenzen und Präsentationen aus der Praxis – als Teilnehmer sowohl vielleicht auch als Gastgeber oder Initiator.

Bevor ich Diabetes bekam war ich jemand, den man allgemeinsprachlich gerne als „Rampensau“ bezeichnen würde, als „Alpha-Tierchen“ oder „Aufmerksamkeitsmagnet“. Ich war durch nichts aus der Fassung zu bringen, hatte auf alles eine Antwort und wenn dies mal nicht der Fall gewesen sein sollte, dann war ich zumindest nie um einen flotten Spruch verlegen, der alle zum Lachen brachte oder innehalten ließ.

Nach meiner Erkrankung

war ich zunächst verunsichert und mir nicht mehr im Klaren über meine Ausstrahlung, Wirkung und Kommunikationsfähigkeit. Ich dachte darüber nach wie man im Mittelpunkt stehen kann ohne „selbst tatsächlich gesehen zu werden“.

Wenn ich also vor meiner Erkrankung ein kompetenter, aber vielmehr impulsiver Redner war, so stand für mich zunächst fest, dass ich mich nun besser vorbereiten musste, um über Unsicherheiten hinweg zu täuschen und mit derselben Professionalität wahrgenommen und geschätzt zu werden – ohne auf eventuelle Schwächen aufmerksam zu machen oder gar reduziert zu werden, was krarriere-hinderlich wäre.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, von welchen Unsicherheiten ich rede?

Lassen Sie mich Ihnen einen Einblick in die diabetische Gefühlswelt geben:

  • Bei Konferenzen oder Präsentationen hat man als Gadtgeber / Moderator oder einfacher Redner durchaus Lampenfieber, schwitzige Hände, Durst, rasenden Puls usw.
    • Alles Symptome, die wir auch bei einer Unter- oder Überzuckerung empfinden, was einen durcheinander bringen kann, wenn man keine Möglichkeit zum Messen hat.
  • Ihnen stehen eventuell Präsentations- / Konferenz-Abschnitte von über 2 – 3 Stunden bevor, in denen Sie einen Raum nicht verlassen können und ggf. vor Publikum stehen und beobachtet werden.
    • Es kann passieren, dass der Gedanke nur noch um den Zucker kreist und Sie darum Ihre Konzentration und Faden verlieren…

Außerdem:

  • Bei vielen Zusammenkünften wird gerne gemeinsam mit einem Cocktail angestoßen – davor oder danach. Eventuell gibt es auch während den Konferenzen oder Präsentationen ausschließlich ungünstige Getränke, z.B. nur Saft und Cola statt Wasser. Ebenfalls habe ich es bereits erlebt, dass aufgrund vn Zeitknappheit Pizzen oder Sandwiches in den Konferenzraum geliefert wurden, weil keine Zeit bestand für eine richtige Pause.
    • Diabetiker sollten regelmäßig etwas essen, aber ohne Insulin zu spritzen müssen wir uns Kohlenhydrate verkneifen, dass kann zu lautem Magenknurren oder Unterzuckerung führen….
  • Steht man im Mittelpunkt, wird man gerne auch in den Pausen aufgehalten und angesprochen oder von gleichgeschlechtlichen Kollegen/innen bis auf die Toillette „verfolgt“.
    • Es ist ggf. schwierig einen Rückzug zu vollziehen, um den Zucker unbemerkt zu messen und zu behandeln und ohne vom professionellen Thema abzulenken. Fragen und Erstaunen über die diabetische Erkrankung zu ernten, können sich im Anschluss eventuell mehr herumsprechen als die eigentlich vollbrachte Leistung….- das wäre „Spreu vor die Säu‘“ und kann intern Ärger verursachen oder Ihnen gar eine Beförderung vermasseln…

Vorbereitung ist das A und O!

Aus all diesen Befürchtungen heraus rate ich wieder einmal, dass Sie sich durch eine besonders akribische Vorbereitung profilieren. Spielen Sie im Vorfeld alle Möglichkeiten durch und seien Sie entsprechend gewappnet!

  1. Wo findet die Konferenz oder Präsenation statt? – Büro, Veranstaltungsgebäude, Hotel?
  2. Wie sieht das Programm aus? Welche Pausen sind eingeplant?
  3. Ist die Getränke- oder Essensliste bekannt? Wen könnte man fragen? (Machen doch heute viele aufgrund von Allergien) Fragen Sie z. B. beim Auführungsort direkt nach. Nehmen Sie notfalls immer Ihr eigenes Wasser oder Obst mit.
  4. Gibt es dort mehrere Toilletten – vielleicht auf verschiedenen Stockwerken?
  5. Gibt es die Möglichkeit mit mehreren Stockwerken, planen Sie bereits im Vorfeld Ihren Gang auf eine andere Toillette als die Masse…
  6. Welche alternativen (schauspielerischen ) Möglichkeiten haben Sie, wenn Sie keinen Rückzugsort finden sollten? Beispiel: Dringenden Handyanruf inzenieren, für den Sie das Gebäude oder den Raum müssen….

Meine Empfehlung an Sie:

Ansonsten empfehle ich Ihnen gleichermaßen wie bei dem vorausgegangenen Kapitel über Bewerbungen, dass Sie bei Möglichkeit mit einem leicht erhöhten Zuckerwert in eine längere Konferenz oder Präsentation einsteigen (ca. 160 mg).

Durch die Aufregung bei Ihrem Vortrag ist es durchaus möglich, dass Sie ebenfalls mehr verbrennen und nach 1-3 Stunden auf Ihrem Zielwert von 100mg rauskommen. Sie haben mit 160mg keinen echten Risikowert, dafür aber einen Puffer, der Sie selbstsicher auftreten lässt, weil Sie über einen längeren Zeitraum ganz sicher vor einer Unterzuckerung geschützt sind.

Des Weiteren gebe ich Ihnen nachfolgend organisatorische und inhaltliche Tipps an die Hand, die Ihnen eine perfekte Vorbereitungsgrundlage für erfolgreiche Konferenzen und Präsentationen geben. Sind Sie auf alle Eventualitäten vorbereitet, treten Sie garantiert genauso spontan, impulsiv und selbstbewusst auf wie vor Ihrer Erkrankung!

Die goldenen Regeln……..

Organisatorisch:

  • Stellen Sie sich bei Möglichkeit vor Beginn der Veranstaltung eine Flasche Wasser und – je nach Länge des Vortrags – vielleicht auch einen Saft (für den Notfal) auf das Rednerpult.
  • Stellen Sie sich kurz vor, bevor Sie zu reden beginnen.
  • Empfangen Sie anschließend die Teilnehmer mit einer Vorstellungsrunde.
  • Stellen Sie Ihr Thema vor und erklären Sie als Moderator kurz das Organisatorische.
  • Achten Sie darauf, dass Sie beim Teilen des gesamten Desktops keine vertraulichen und privaten Inhalte sichtbar werden – schon gar nicht über Ihren Diabetes.
  • Regeln Sie im Vorfeld (auch mit dem Veranstalter), wie viel Zeit im Nachgang Ihres Vortrags für Fragen oder Diskussionen genommen werden kann. – damit wissen Sie auch wie lange in etwa Sie Ihren Zucker ohne Essen stabil halten müssen. Bereiten Sie notfalls eine Alternative vor, bei der Teilnehmer Ihre Fragen und Diskussionen außerhalb der Konferenz mit Ihnen weiter fortführen können. (z. B. Chat oder Pausenraum um eine bestimmte Uhrzeit).
  • Eine perfekte Konferenz endet mit der Nachbereitung und einem Besprechungsbericht oder Gesprächsprotokoll.

Rednerisch:

  • Sichern Sie sich eine positive Grundeinstellung: Gehen Sie in Gedanken immer wieder Ihre Präsenation durch und visualisieren Sie dabei, dass Ihr Zucker Ihnen keinesfalls im Weg steht und alles reibungslos und erfolgreich ablaufen wird.
  • Üben Sie Ihren Vortrag auf Timing, Stimmmodulation, Pausen, Sinnhaftigkeit & Verständnis sowie Humor – am besten mit einem Probevortrag vor Freunden.
  • Beachten Sie das Gesetz des guten Ersteindrucks: Wie ernten Sie Sympathiepunkte? Z. B. in der Vorstellungsrunde…
  • Präsentieren Sie glaubwürdig und engagiert. Halten Sie Blickkontakt zum Publikum und versuchen Sie jedem das Gefühl zu geben, dass er /sie wichtig ist.
  • Üben Sie eine offene Gestik, freundliche Mimik, ruhiger Blick – so besser Sie vorbereitet sind, umso weniger kann Sie (und Ihren Zucker) etwas aus der Fassung bringen.
  • Planen Sie in Ihrem Vortrag eine gewisse Dramaturgie ein: Wechseln Sie gezielt den Standort und sorgen Sie mit ganzem Körpereinsatz für Spannung und die Aufmerksamkeit gehört Ihnen.
  • Sprechen Sie lebendig und wirkungsvoll. Achten Sie darauf langsam, klar, mit Wirkungspausen an den richtigen Stellen zu präsentieren.
  • Halten Sie die Aufmerksamkeit des Auditoriums auf einem hohen Stand, zum Beispiel durch Anekdoten, Karikaturen, Fragerunden oder Diskussionen, die Sie vorher vorbereitet und geprobt haben.
  • Vermeiden Sie überladene Folien, undeutliche Schrift, zu schneller Folienwechsel, zu lange Sätze.

Zu guter Letzt:

  • Gehen Sie persönlichen Fragen mit direkten Gegenfragen aus dem Weg oder „verschieben“ Sie es auf „das nächste Mal“.
  • Lassen Sie nach Ihrer Präsentation das Wort am besten bei den Anderen. Menschen lieben Aufmerksamkeit & Anerkennung. Geben Sie diese und Sie werden beliebt sein – und Ihr Diabetes ist unsichtbar!

 

Was habt Ihr für Erfahrungen in diesem Bereich?

ich freue mich auf den Austausch mit Euch.

 

Eure Vivi