Seite auswählen

Ein Gastbeitrag von Astrid Waligura

 

Fasten bei Diabetes – so ein Unsinn!

Am 6. März 2019, also an Aschermittwoch, beginnt wieder die Fastenzeit: 40 Tage, die im Christentum an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste nach seiner Taufe erinnern sollen. Die wenigsten von uns kennen noch die ursprüngliche Geschichte hinter dem Fasten als spirituelle Handlung. Längst ist der Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol und andere Genussmittel zur gesellschaftlichen Modeerscheinung geworden. Ob Heilfasten, Intervallfasten, Basenfasten oder Wie-auch-immer-Fasten, meist steckt ein Diät-Trend dahinter, der unserer Gesundheit dienen soll. Ich halte davon gar nichts!

Copyright: Citynews

 

Bei der ersten Hypo ist das Fasten vorbei

Warum ich die Fastenmode nicht mitgehe, hat verschieden Gründe: Zum einen habe ich seit über 30 Jahren Typ1 Diabetes und da ist Fasten in meinen Augen ziemlicher Unsinn. Bei der ersten Unterzuckerung ist die Aktion zwangsläufig gescheitert, denn als Diabetikerin muss ich dann erstmal mein Leben retten: mit Traubenzucker am besten, der geht am schnellsten ins Blut. Warum also solche Diät-Spielchen überhaupt anfangen?

 

 

Langfristige Änderung im Ernährungsverhalten

Wer es wirklich ernst mit seiner Gesundheit meint, sollte vielmehr darüber nachdenken, seine Ernährungsgewohnheiten langfristig zu überdenken und umzustellen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass eine gute Ernährung so viel Einfluss auf meine Blutzuckereinstellung, mein Wohlbefinden und auf mein ganzes Leben  haben könnte.

Copyright: Citynews

 

Was ist passiert?

Ein kurzer Rückblick: Ich bin freie Journalistin und hatte bis vor fünf Jahren null Ahnung vom Kochen. Immer auf Achse, bestand meine Ernährung in der Hauptsache aus Käsebroten, Rohkost und Tütensuppen. Dazu ein bisschen Sport und mein Diabetes war insgesamt gut eingestellt. Genuss auf dem Teller hatte in meinem Leben wenig Platz. Mir war das viel zu umständlich: ständig messen, spritzen, unterzuckern, überzuckern – das ganze Theater eben, was im Diabetikeralltag so anfällt. Oft habe ich als Mittel der Wahl Mahlzeiten weggelassen. Irgendwann hatte ich mich an das latente Hungergefühl gewöhnt.

Copyright: Citynews

 

Die Zeit der Wandlung

Ende 2013 führte mich dann ein Interviewauftrag für ein Kölner Stadtmagazin in eine Kochschule, in der nach der 5-Elemente-Lehre gekocht wurde. Dieses Ernährungssystem ist Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (kurz: TCM), genau wie Akkupunktur dazu gehört. Die 5-Elemente-Lehre ist schon mehrere tausend Jahre alt und geht auf die Zeit zurück, als es noch keine Medikamente gab und mit Nahrungsmitteln bzw. Kräutern und Gewürzen auf körperliche Störungen reagiert wurde.

Copyright: Citynews

 

 

Ein Auszug aus der 5-Elemente Ernährung

(Zusammenfassung Sylvia Wurm-Werner)

Die Ernährung nach den Fünf Elementen  basiert auf der traditionell chinesischen Lehre der Fünf Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Grundlage der Ernährungslehre sind insgesamt die Vorstellungen von Yin und Yang. Die Theorie besagt, dass es dem Menschen gut geht, wenn im Körper ein harmonisches Gleichgewicht dieser Energien besteht. Die 5-Elemente-Ernährung dient dazu, diese Harmonie zu fördern und zu erhalten.

Yin steht für Kälte und Yang für Wärme steht. Diese Einteilung ist aber keinesfalls mit der tatsächlichen Temperatur der Speisen zu verwechseln: Yin-Lebensmittel sind zum Beispiel viele Obstsorten wie z. B. Gurken, Tomaten, grüner Tee und Milch. Als Yang gelten beispielsweise Trockenobst, Fenchel, Lauch, Gewürze, Fisch und Fleisch. Als neutrale Nahrungsmittel zählen Kohl, Möhren, Hülsenfrüchte oder Getreide. Neutrale Lebensmittel bilden die Basis der 5-Elemente-Gerichte.

Etwas komplexer ist dann die Kombination und die Zubereitung der verschiedenen Elemente. So kann ein und dasselbe Lebensmittel je nach Reifegrad unterschiedlichen anderen Elementen zugeordnet werden, um spezielle Wirkungen im Körper zu stimulieren. Es geht immer um die Balance zwischen Yin und Yang und darum, Befindlichkeitsstörungen aufzuheben und Energie frei zu machen. Doch die Qualität der Speisen lässt sich sogar durch die Zubereitungsart beeinflussen: „Yinisierend“ wirken Böanchieren und Kochen in viel Wasser, „yangisierend“ sind Grillen, Braten und langsames Kochen.

Die Lebensmittel werden in fünf Gruppen nach den Elementen eingeteilt:

  • Dem Element Holz entspricht der saure Geschmack. Hierzu gehören zum Beispiel Essig, Orangen, Tomaten, Weizen und Huhn.
  • Dem Element Feuer wird der bittere Geschmack zugeordnet. Entsprechende Lebensmittel sind etwa Rote Beete, Rucola, Roggen und Schafskäse.
  • Dem Element Erde entspricht der süße Geschmack und Lebensmittel wie Kartoffeln, Mais, Butter, Eier, Rindfleisch und Karotten.
  • Zum Element Metall gehört der scharfe Geschmack und Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Senf und Gänsebraten.
  • Dem Element Wasser wird der salzige Geschmack zugeordnet. Entsprechende Lebensmittel sind Salz, Fisch, Hülsenfrüchte, Oliven und Wasser.

(Quelle: Wikipedia)

Copyright: Citynews

 

Die komplex aufgebaute 5-Elemente-Küche ist sowohl in der TCM als auch in der ayurvedischen Lehre zu Hause. Diese ist durchaus als Dauerkost geeignet, da sie den Empfehlungen für vollwertige Mischkost sehr nahe kommen. Die 5-Elemente-Küche stellt eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen sicher. Ein großer Teil dieser Kochkunst ist dem Bereich Kräuterheilkunde gewidmet.

 

Plötzlich war ich Köchin und Unternehmerin

Die 5-Elemente-Lehre hat eine lange Tradition, lässt sich aber nicht nur in China und Japan, sondern auch in westlichen Gefilden problemlos auf unsere Essgewohnheiten übertragen. Bei mir hat ein Mittagessen genügt und mein ganzes Leben war plötzlich auf den Kopf gestellt. Ich habe nach dem Interview vor fünf Jahren meinen ersten Kochkurs gemacht – mit Anfang 40. Es ging dann Schlag auf Schlag weiter: Ausbildung zur 5-Elemente-Köchin, Fortbildungen, Assistenzen, Kochevents, Mittagstisch kochen, Kochkurse anleiten und viel Training in der heimischen Küche. Der nächste Schritt war die Gründung von DiabetesGenuss im Herbst 2018. Über diese Plattform möchte ich besonders Menschen mit Diabetes motivieren, Eigenverantwortung für ihren Körper und ihre Erkrankung zu übernehmen. Man kann so viel in Eigenregie erreichen.

Copyright: Citynews

 

 

Genuss statt Verzicht

Süßer leben – das wollen wir doch alle. Ich für mich habe das durch eine Ernährungsumstellung nach den 5 Elementen geschafft. Mein Blutzucker ist stabil, ich fühle mich fit, reise wieder ohne Angst und treffe Entscheidungen, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte. Kurzum: ich lebe sehr viel zufriedener als vorher und ich muss dabei auf nichts verzichten. Ganz im Gegenteil: ich kann so lecker kochen, dass ich mich auf jede Mahlzeit total freue. Wenn ich unterwegs bin, organisiere ich mich so, dass ich mein eigenes Essen dabeihabe und mir böse Überraschungen an Imbissbuden oder Fast Food Restaurants erspart bleiben.

 

 

Ich weiß, was an schlechten Tagen zu tun ist

Durch die Ernährung nach den 5 Elementen ist mein Immunsystem so gestärkt, dass zum Beispiel Erkältungen einfach an mir vorüberziehen, wenn vielerorts die Grippewelle kreist. Wenn mich mein Blutzucker heute noch nächtlich überrascht- und das kommt selten vor – weiß ich genau, was ich mir am Folgetag kochen muss, um aus dem Tief herauszukommen. Früher war ich an solchen Tagen mies gelaunt bis depressiv und zu nichts zu gebrauchen.

Copyright: Citynews

 

 

Erfahrungen mit anderen Betroffenen teilen

Mein Wissen gebe ich mittlerweile in Vorträgen, Kochkursen und Ernährungsberatungen weiter. Ich habe große Freude daran, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Die Resonanz gibt mir Recht. Viele Klienten melden sich nach den Kochkursen und berichten mir von ihren Fortschritten in der Küche, die sich auch auf ihre Gesundheit auswirken. Gerade Diabetiker nach der Diagnose werden oft allein gelassen und haben keine Ahnung, was sie fortan kochen sollen. Sie haben schlichtweg Angst vor dem Essen. So war das bei mir ja auch. Heute weiß ich, was zu tun ist!

Copyright: Citynews

 

 

Dauerhafter Genuss statt Fasten

Ich habe die 5-Elemente-Lehre mittlerweile fest in mein Leben integriert. Sie gibt mir eine solide Basis und damit Stabilität in einer Welt, die sich immer schneller dreht. Angst vor diabetischen Spätfolgen habe ich nicht mehr. Es gibt auch keinen Grund bei einem durchschnittlichen HbA1c von 6,3.  Warum also sollte ich einem Trend hinterherjagen und fasten?

 

Über Astrid Waligura

(von Sylvia Wurm-Werner)

Astrid ist eine sehr interessante und außergewöhnliche Diabetes-Persönlichkeit. Im Alter von 16 Jahren war sie auf der deutschen Tennis-Rangliste die Nurmmer 17 als sie der Diabetes “vom Thron” holte und ihr eine andere Zukunft bereithielt. Entdeckt habe ich Astrids @DiabetesGenuss auf Instagram und ich war sofort begeistert von ihr und ihrem Unternehmenskonzept. Ihre Kochkurse sind in Gruppen und als Einzelkurse erhältlich zu wirklich angenehmen Preisen. Ich finde das ist ein tolles Erlebnis, eine gute Erfahrung und übrigens auch eine tolle Geschenkidee!

Wie auch Astrid bin ich kein Fastenanhänger. Allerdings nutze ich die Fastenzeit, um mir einiger Lebensmittel bewusst zu werden, denen ich zu stark im Alltag anhänge. Ich werde tatsächlich versuchen auf meinen heiß-geliebten Milchkaffee zu verzichten und auf meinen Zuckerkonsum zu achten. Meiner Ansicht nach muss das Fasten nicht immer eine Diät mit sich bringen. Abnehmen ist zwar auch in meinem Alltag immer wieder aktuell, allerdings schließe ich mich hier Astrids Meinung an: Eine dauerhaft bewusste Ernährung, die Bewegung und Stressreduktion in unserem Alltag integriert ist der Schlüssel zum Erfolg!

Ich danke Astrid herzlich für Ihren Beitrag!

 

Eure Vivi