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Der Sommer ist eine Zeit in der wir alle Fernweh bekommen… Einige von uns kommen vielleicht gerade aus dem Urlaub zurück und manefestieren den Wunsch im Ausland leben zu wollen und sei es nur für ein paar Monate oder ein Jahr.

Doch wie soll man das machen? Auf was muss man sich vorbereiten – vor allem mit einer chronischen Krankheit wie Diabetes “im Gepäck”?

Zuallererst möchte ich Sie ermuntern! Lassen Sie sich nicht von Ihrer Krankheit abhalten. Es ist alles eine Frage der Herangehens- und Denkensweise!

Ich gebe Ihnen nun zunächst ein paar Denkanstöße und runde diese anschließend mit einer Checkliste für Ihre Entscheidungsfindung ab. Zögern Sie nicht, mich jederzeit zu kontaktieren, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben bzw. sich mit mir darüber austauschen wollen.

Informiere dich über die Verbreitung von Diabetes in deinem Zielgebiet.

Im Ausland zu studieren, zu arbeiten oder einfach nur herumzureisen bedeutet in erster Linie sich in einen neuen Kulturkreis zu begeben, sich darauf einzulassen und sich mit anderen Gepflogenheiten sowie der fremden Sprache zurecht zu finden.

Sprache, Moral, Geschichte, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Tradition, Geltung, Handlung und Handhabung unterscheiden sich maßgeblich von Kultur zu Kultur. Das sind entscheidende Dinge, die einem – je nach eigener Anpassungsfähigkeit und Offenheit – das Leben im Ausland versalzen oder versüßen können.

Die eben erwähnten kulturellen Begriffe betreffen jeden Auslandsreisenden. Doch als Diabetiker kommt selbstverständlich noch unsere Krankheit hinzu, die in jedem Land der Welt mal mehr oder weniger bekannt ist und in vielen Kontinenten der Welt völlig anders behandelt wird als bei uns in Deutschland. Informieren Sie sich beim ausländischen Dienst im Vorfeld darüber wie bekannt und verbreitet Diabetes in Ihrem Zielgebiet ist. Wie wird es behandelt – sprich, welche medizinische Infrastruktur gibt es vor Ort und welche Medikation wird verschrieben bzw. in den Apotheken verkauft.

Auf den Seychellen zum Beispiel behauptete man tatsächlich keine einheimischen Diabetiker zu haben. Aus diesem Grund hätte ich – ohne dies im Vorfeld in Erfahrung gebracht zu haben – vor Ort keinerlei Hilfsmittel und Medizin beziehen können. (Zu diesem Zeitpunkt war ich im 6. Monat schwanger).

Kein Land der Welt ist für Diabetiker ein Auschlusskriterium!

Deswegen ist jedoch KEIN Land der Welt für uns Diabetiker ein Ausschlusskriterium. Es gibt neben den kulturellen Unterschieden lediglich weitere Vorkehrungsmaßnahmen zu treffen, die uns absichern und unseren Auslandsaufenthalt erleichtern und auf die ich gleich eingehen werde.

Nach meinem bilingualen Studium mit Wohnsitz in Deutschland und England, arbeitete ich vier Jahre im Auslandsdienst des zweitgrößten Reiseveranstalters Deutschlands. Mein Job bedeutete rund um die Uhr erreichbar zu sein und den Urlaubsreisenden vor Ort in allen (möglichen und unmöglichen) Lebenslagen Unterstützung zu leisten – bis über den Tod hinaus.

Ich arbeitete dort, wo andere Urlaub machten. Doch so traumhaft sich das auch anhört, bedeutete es gleichermaßen 24 Stunden, 7 Tage die Woche abrufbar zu sein, in Uniform (mit Unterrock) und engen Pumps bei 40°C Hitze umher zu laufen und kaputte Autos ohne Klimaanlage zu fahren, die überall und immer stehen bleiben konnten (z. B. in Mitten der Steinwüste Ägyptens auf der Autobahn zwischen Safaga und El Quseir, wo es nichts weiter gibt als wilde Hunde, Müll und Meer).

Sammle so viele wertvolle Erfahrungen, wie möglich!

Wie fast jeder, der längere Zeit im Ausland verbracht hat, kann auch ich nur bestätigen, dass es mitunter die wertvollste Erfahrung meines Lebens war; von Albtraum bis fantastischen Abenteuern wie aus „1001 Nacht“ war alles dabei. Am Ende ist es eine Zeit, die ich niemals missen, sondern eher jederzeit wiederholen möchte. Meine Auslandsjahre haben mich weitergebracht, meinen Horizont erweitert und selbständiger gemacht.

Die Zeit im Ausland hilft über den Tellerrand hinweg zu schauen, soziale Kompetenzen aufzubauen und für sich selbst einzustehen, sich und andere zu organisieren und nicht so schnell in Panik zu verfallen, wenn etwas nicht planmäßig verläuft. – DAS alles gilt für den Reisenden sowie für die Hinterbliebenen gleichermaßen!

Es gibt viele Dinge, die Sie vor einem Auslandsaufenthalt vorbereiten können, doch wie es tatsächlich vor Ort ablaufen wird, werden Sie niemals im Vorfeld wirklich 100% wissen. Lassen Sie sich bewusst darauf ein und versuchen Sie vor Ort mit Hilfe von Flexibilität, Geduld, Improvisationstalent und einem guten Draht zu Ihren Mitmenschen Lösungen für Ihre individuellen Anliegen zu finden. 

Deshalb gilt: Bauen Sie sich vor Ihrer Reise ein Sicherheitsnetz auf, bestehend aus ausreichend mitgeführter Medizin für ein Quartal und im Vorfeld recherchierte Kontakte, die Ihnen vor Ort weiterhelfen können oder Sie notfalls aus dem Heimatland unterstützen werden. TROTZ Ihrer Quartalsausrüstung sollten Sie kurz nach Ankunft bereits austesten, wie Sie vor Ort an Ihre Medizin kommen und wer Sie ärztlich betreuen kann / betreuen wird. WARTEN SIE NICHT bis Ihr Vorrat aufgebraucht ist und Sie dringend Nachschub benötigen!

 

Abropos „exotische Zielgebiete“…..

Denken Sie bitte nie, dass Sie irgendwo ankommen, sich gleich wohl fühlen, auskennen, Leute um sich herum haben und mit ihrem „Integrationsprogramm“ loslegen können. In den meisten Fällen, benötigen Sie ca. 2 Monate, um sich heimisch zu fühlen, sich zu aklimatisieren. Rechnen Sie einfach im Vorfeld damit und lassen Sie sich Zeit.

In der Türkei und auch in Ägypten habe ich damals in einer Gegend gewohnt, die aussah wie ein Sandberg ohne Strassennamen. Ich musste mir quasi visuell einprägen, wie ich nach Hause kam und das ging anfangs leider sehr oft schief. Bedenkt man, dass ich damals teilweise über 16 Stunden am Stück arbeitete und das nicht nur tagsüber, so war es unter starker Müdigkeit und wechselndem Tageslicht doppelt so schwer nach Hause zu finden. Nicht selten kamen mir dann die Tränen – doch das sind „tote Punkte“, die wahrscheinlich jeder einmal überwinden muss.

 

Kommt man aus Deutschland ist man in jeder Situation starke Demokratie, Gleichberechtigung und Respekt gewöhnt. Als Frau kennt man es nicht, dass man in Verhandlungen abgelehnt wird oder gar ignoriert. Eventuell sind Sie geschockt, wenn man Sie bei Bagatellen und Belanglosigkeiten anschreit. Nehmen Sie es bitte gelassen und bleiben Sie immer ruhig und höflich. Im Ausland sollten Sie Ihre Stärken im Ausland über Beziehungsaufbau begehen.

In vielen arabischen Ländern, aber auch in Griechenland und Spanien habe ich ohne Ende Tee und Kaffee getrunken und viele Male über Belanglosigkeiten geredet. Immer wieder habe ich die Menschen in ihren Hotels und Geschäften besucht, zugehört, Verständnis und Interesse gezeigt, Kleinigkeiten mitgebracht, geholfen, über Familie und das Wetter gesprochen, bis ich eines Tages dann ausreichend Vertrauen gewonnen hatte und mein Gegenüber genug kannte, um einen Einstieg in eine erfolgreiche Verhandlung zu finden!

Im Ausland sind die Menschen häufig nicht so gut über Diabetes aufgeklärt wie Sie. Versuchen Sie selbst Aufklärung zu leisten und die Kontrolle zu behalten. Dabei hilft Ihnen z. B. E-Mail Kontakt zu Ihrer Ärztin oder Diabetesassistentin.

 

 

DIE ENTSCHEIDUNGSFINDUNG:

Haben Sie Interesse daran für längere Zeit ins Ausland zu gehen, sind sich aber noch nicht ganz sicher, ob das etwas für Sie ist? Dann hinterfragen Sie sich die nachfolgenden Punkte……..

  1. Warum wollen Sie ins Ausland?
  2. Wie stellen Sie sich Ihren Auslandsaufenthalt vor?
    1. Destination?
    2. Unterkunft?
    3. Verpflegung?
    4. Diabetes?
    5. Job?
    6. Freizeit?
    7. Aufenthaltsdauer?
    8. Finanzierung?
  3. Welches Land interessiert Sie besonders und warum?
  4. Welche Qualifikationen bringen Sie für den Aufenthalt mit?
    1. Kompetenzen & besondere Fähigkeiten?
  5. Was möchten Sie im Ausland machen?
  6. Wer unterstützt Sie im Ausland oder vom Heimatland aus und wie?
  7. Was brauche ich, um mich in einem anderen Land / an einem anderen Ort wohl zu fühlen?
  8. Wie stelle ich mir die Zeit nach meiner Rückkehr vor?
  9. Welche Risiken gibt es bei meinem Vorhaben?
    1. Z. B.: Was übernimmt meine Krankenkasse? Kann ich im Vorfeld ausreichend Medizin für meinen Aufenthalt mitnehmen oder ist jemand aus meinem Bekannten- / Verwandtenkreis befugt, mir die vierteljährlichen Medikamente zu besorgen und zuzuschicken?
  10. Welche Chancen haben Sie mit dieser Erfahrung?

Erstellen Sie eine PRO & KONTRA Liste und machen Sie für Ihren geplanten Auslandsaufenthalt einen Finanz- und Aufgabenplan.

Der Finanzplan sollte möglichst ganzheitlich sein und die komplette Dauer umfassen, damit Sie überblicken können wie viel Geld Sie insgesamt tatsächlich brauchen werden. D.h. ähnlich wie in einem „Forecast“ schreiben Sie alle geschätzten monatlichen Ausgaben im Ausland auf, sowie jene Ausgaben, die Sie tätigen müssen, bevor Sie abreisen. Denken Sie an möglichst alles:

  • Versicherungen & Mieten,
  • laufende Abonnements und Ihre Kündigungsfristen,
  • Kleidung & Schuhe,
  • Koffer & Rucksack,
  • Medizin, Notfall-Equipment & Kühlbox,
  • Handy, Fotoapparat, Computer, Bücher,
  • Internationaler Führerschein,
  • (Lern- und Vorbereitungs-)Kurse…

Der Aufgabenplan geht Hand in Hand mit Ihre Finanzplan und sollte ebenfalls sorgfältig überlegt sein.

Im Anschluss rate ich Ihnen, sich mit jemanden zusammen zu setzen, um Ihre Liste durchzugehen und auf Herz und Nieren zu prüfen und mit Ihnen durchzugehen.  Auch ich kann Ihnen mit meinen Erfahrungswerten behilflich sein – ob per What’s App Call, Skype oder per Workshop – bis Ende des Jahres biete ich meine Coachings auf freiwillige Spendenbasis an 🙂 ***NUTZEN SIE DIESE CHANCE***

Viel Spaß im Ausland,

Eure Vivi