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Zeit für Idole

 

 

T1D-Profi-Basketballer Fabian Bleck

Auf der Suche nach Typ 1-Idolen stieß ich auf den beeindruckend-lässig-sportlichen 26-Jährigen Basketballprofi Fabian Bleck.  Fabian ist im Alter von 11 Jahren – kurz vor dem 12 Geburtstag – im März 2005 – an Typ-1-Diabetes erkrankt. Seit 2012 ist er Basketball-Profi.

Die Basketball-Bundesliga ist die höchste Liga des professionellen Basketballs in Deutschland. Fabian spielte zunächst 3 Jahre für Phoenix Hagen, dann vier Saisons für die Eisbären in Bremerhaven, bevor er schließlich zu den Crailsheimer Merlins kam, wo er heute spielt.

 

Rückblick

Fabian hat zwei Brüder, einen, der zwei Jahre älter ist, und den anderen, seinen Zwilling. Im Gegensatz zu Fabian hat keiner seiner Brüder Typ-1-Diabetes – noch nicht einmal sein Zwillingsbruder.

Aufgrund familiärer Vorbelastungen, erkannten Fabians Mutter und seine Tante damals sofort die üblichen Symptome einer T1D-Diagnose (extremer Durst, Konzentrationsschwäche). Als er schließlich ins Krankenhaus überwiesen wurde, betrug sein Messwert lebensgefährliche über 800 mg/dL.

Da hatte Fabian viel Glück, denn erwiesener Maßen verkennen lt. Der Technischen Universität Dresden über 20% der Angehörigen die Symptome von Diabetes, was sehr häufig dazu führt, dass insbesondere Kinder und Jugendliche oftmals erst mit schweren und lebensgefährlichen Ketoazidosen als Diabetiker diagnostiziert werden.

“Meine größte Sorge in diesem „Diagnose-Moment“ war allerdings, ob ich weiterhin Basketball spielen konnte, weil es meine Leidenschaft war und ist“, sagte Fabian.

 

Zu viel Sport bei Diabetes gibt es nicht!

“Eines der ersten Dinge, die man mir auf mein Drängen hin im Krankenhaus hat ist, dass ich mir keine Sorgen machen müsse, mit dem Basketball aufzuhören”, sagt Fabian, “Und dass Sport absolut gut für die Diabetesbehandlung ist und ich so viel Bewegung genießen kann, wie ich will.”

Heute empfiehlt Fabian jedem, der gerne Sport macht oder ebenfalls eine Profi-Karriere anstrebt, seinen Körper herauszufordern, die eigenen Körperreaktionen und Limits kennen zu lernen und vor allem, offen damit umzugehen und sich Unterstützung zu holen.

„Sobald Menschen wissen, was Diabetes ist und wie einfach man in Notsituationen helfen kann, ist man selbst als Diabetiker sicherer und mutiger z. B. im Profi-Sport alles zu geben. Das sichere Gefühl, dass einem nichts passieren kann, weil genug Leute da sind, die einem sofort helfen können und würden, geben einem den Halt, den man braucht um durchzustarten!“, sagt Fabian.

Diesem Kommentar schließe ich mich an – obwohl ich kein Profi-Sportler bin. Ich glaube aber, dass Fabians Statement zu ziemlich allen Situationen im Leben passen. Auch ich als Mutter & „Karrierefrau“ bin froh und dankbar, wenn ich ohne Vorurteile offen mit meiner Krankheit umgehen darf, Menschen sich für mich und meinen Diabetes interessieren und bereit sind, mir zu helfen, wenn ich in eine Notsituation gerate.

 

Eigene Verantwortung + Beistand = Selbstbewusstes Diabetes-Management

Fabian erinnert sich gut an seine Eltern, die anfangs bei der Zubereitung des Essens halfen und ihn unterstützten, als er seinen ersten Monat mit T1D durchlebte. Rückblickend ist er aber auch sehr dankbar, dass sie ihm auch erlaubten, von Beginn an viel Verantwortung selbst zu übernehmen.

“Sie wussten, dass sie in der Schule oder während des Trainings nicht rund um die Uhr da sein konnten”, sagt er. “Natürlich hat es mein Leben in diesem Moment grundlegend verändert. Ich musste mir immer morgens die Finger stechen, vor dem Essen, vor und während des Trainings, vor dem Schlafengehen und auf meine Insulinzufuhr achten, immer ausreichend Snacks für Unterzuckerungen dabeihaben – vor allen Dingen beim Sport, der immer unterschiedlich anstrengend war.“

Obwohl Fabian sehr gut auf sich selbst aufpassen kann, erhält er weiterhin viel Unterstützung von seiner Familie und seiner Freundin. Am Telefon mussten wir darüber lachen, weil Fabian schilderte, dass seine Freundin ihn beispielsweise immer instinktiv zum Blutzuckermessen auffordere, wenn er sich auf einmal seltsam benehme – genau das gleiche macht mein Mann mit mir …. Ja, als Typ 1-Diabetiker ist man manchmal wie die Damen und Herren aus der „Snickers-Werbung“ (eine „echte DIVA“) und mutiert zu einem latent-verpeilten „Grummel-Monster“.

 

Gadgets

Heute trägt Fabian eine Insulinpumpe (Medtronic Minimed 640g) und ein kontinuierliches Blutzuckermessgerät (Flash Glucose Monitoring FGM) von FreeStyleLibre. Er hat kein Problem damit Insulin in der Öffentlichkeit zu spritzen und zu seiner Krankheit steht, obwohl er zugibt, dass er anfangs lieber auf der Toilette verschwunden ist, um seine Injektionen zu nehmen.

Da Fabian beim Sport sehr schwitzt, achtet er darauf seinen FGM und die Pumpe da zu platzieren, wo er weniger schwitzt. Am Bauch fällt jedes Pflaster nach maximal zwei Tagen bereits ab. Deshalb bevorzugt Fabian den Oberarm oder den Oberschenkel als Tragestellen für den Sensor und „taped“ das Pumpenpflaster häufig nochmal extra ab.

Fabians Wunsch wäre ein Gerät, dass alles kann: Blutzucker ablesen, automatisch korrigieren und spritzen. Oh ja – da stimme ich Fabian absolut zu!

 

Bärenstark

Ebenfalls „Idol-würdig“ finde ich Fabians Verein und seine Haltung diesem gegenüber. Fabian war von Anfang an transparent im Umgang mit seiner Krankheit und hat es als Thema mit in die Vertragsverhandlungen genommen. Seit seiner Sportkarriere wissen immer 1-2 Leute Bescheid, was im Notfall bei Diabetes zu tun ist. Das Diabetiker genauso leistungsstark sein können wie andere, bedarf manchmal nur dem nötigen entgegengebrachten Vertrauen. Wie cool also, dass der Besitzer von Fabians (EX-)Sportverein (auch T1D) hier mit positivem Beispiel voran geht!

“Die Kombination von T1D und Sport hat mir viel darüber gelehrt, welche Art von Nahrung den Blutzucker beeinflusst”, sagt er. “Was ist gut vor einem Spiel oder während eines Spiels mit einem niedrigen Wert, und wie der Sport mein Glukose-Postspiel beeinflusst und was ich tun kann, um mich zu regenerieren? Mir wurde auch klar, wie verschiedene Arten von Intensitätsstufen während der Übungen behandelt werden müssen – man muss sein Diabetes-Management die ganze Zeit anpassen.”

 

Bei Risiken oder Nebenwirkungen…..

Fabian ist sich bewusst, dass Ernährung, Stress und Aufregung einen großen Einfluss auf seinen Diabetes haben. Deshalb achtet er besonders darauf, diese Dinge im Griff zu behalten.

Viele Sportler fokussieren sich auf proteinreiche Ernährung – u.a. aufgrund des Muskelaufbaus und der Muskelpflege. Bei Diabetikern ist der Konsum von zu viel Eiweiß allerdings nicht unbedingt empfehlenswert, weil die ohnehin belasteten Nieren dadurch noch mehr „Filterarbeit“ haben. Hinzu kommt, dass Sportler darüber hinaus bereits einen höheren Kreatinwert haben – was ebenfalls nicht so sehr „Nieren-freundlich“ ist.

Aufgrund dessen kamen Fabian und ich noch ins Gespräch darüber, welche Dinge der Diabetes in Fabians Leben positiv oder auch negativ beeinflussen.

Fabian, der allgemein ein positiver Mensch ist, beginnt damit zu erklären, dass er durch den Diabetes von frühester Jugend an sich mit bewusster Ernährung auseinandergesetzt hat. Er wurde zudem schnell selbständig und mental stärker als Gleichaltrige, denn durch den „Barriere-Kampf“ mit Diabetes hat er bewiesen, dass er alles machen kann, wenn er es schafft, seinen Diabetes erfolgreich zu managen.

Vor Folgeerkrankungen habe er Angst, sagt Fabian. Die größte Sorge ist eines Tages mit einer Amputation oder der Dialyse konfrontiert zu werden.

„Doch, was hilft es, sich wegen allen möglichen Folgeerkrankungen heute schon verrückt zu machen. Wichtig ist, dass man nie vergisst, was passieren kann und sich dann bewusst zu werden, was man tun muss, um „Risiken und Nebenwirkungen“ vorzubeugen“, so Fabian.

Die wichtigsten Präventionsmaßnahmen bei Folgeerkrankungen von Diabetes ist Bewegung, Ernährung und Achtsamkeit. Drei Säulen, die Fabian bereits im Fokus hat und in seiner Zielsetzung immer in den Alltag mit einbindet.

 

Ein starker Typ (1)

Fabian ist ein echtes Symbol für einen starken Typ 1-Diabetiker!

Jemand der sein Ziel nie aus dem Auge verliert, zu seinen Schwächen steht und sich von anderen unterstützen lässt, um Barrieren zu überwinden. Fabian sieht zwar, dass Diabetes sein Leben stellenweise erschwert hat, ihn diese Erfahrungen aber insgesamt stark, verantwortungsbewusst und selbständig gemacht haben!

Damit haben Fabian & Bob Marley Ihre Devise gemeinsam, denn „Du weißt nie wie stark Du bist, bis stark sein die einzige Wahl ist, die Du hast!“