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Hier geht keinesfalls darum, sich als Diabetiker besonders häufig eine Auszeit zu gönnen, nur weil man eine chronische Krankheit hat. Im Gegenteil!

 

In den vorangegangenen Blogs habe ich viel von Stärke geschrieben und davon, dass man sich mit seinen gesunden Mitmenschen bewusst messbar machen soll. Mit meiner „Relativität vom Schwänzen“ forciere ich diese Philosophie. Ich möchte lediglich herausstellen, wie bewusst und gewissenhaft man mit Pausen umgehen solte, um seine Ausdauer zu multiplizieren.

Stellen Sie sich vor…

Stellen Sie sich vor, Sie geben täglich alles und arbeiten immer so hart, dass jeder Tag mehr und mehr zur Qual wird. Der Stress beginnt sich in Ihrem hohen Blutzucker widerzuspiegeln. Ihr Diabetes lässt sich weniger und weniger regulieren. Sie spritzen den ganzen Tag dagegen, damit Sie in der Nacht mit diversen Hypoglykmien die Quittung für Ihren anstrengenden Tag bekommen. Mit wenig Schlaf geht es dann früh morgens wieder in Ihren Job, in dem Sie wie ein Hamster wieder versuchen so schnell und erfolgreich zu rennen wie Ihre – im Vergleich – ausgeschlafenen Kollegen/innen. Unter diesen Umständen können Sie nie – oder zumindest nur sehr schwer – über sich hinauswachsen und glänzen, was auf Dauer demotiviert und schlapp macht.

 

Welche überdurchschnittlichen Leistungen wollen Sie hiermit denn auch auf Dauer erzielen? Wieviel Lob bekommen Sie vermutlich für Ihre täglich durchschnittliche Leistung, die Sie sich jedoch überdurchschnittlich viel Kraft kostet?

 

Erinnere Sie sich an das vorangegangene Kapitel. Wenn Sie selbstbewusst Ihrem Umfeld Ihre Stärken verkaufen und gut präsentieren, dann vergibt Ihnen jeder Ihre Schwächen.

 

Also drehen Sie das Hamsterrad um…..

 

Gib z. B. 2 Stunden Vollgas und dann erholen Sie sich wieder für ~15 Minuten.

  • Gehen Sie eine Runde um den Block
  • Gönnen Sie sich eine kleine Zwischenmahlzeit
  • Schalten Sie den Computer-Monitor auf „Stand by“
  • Rufen Sie kurz Ihre privaten Mails ab.
  • Holen Sie sich einen Kaffee oder
  • setzen Sie sich auf die Toilette, um durchzuschnaufen
  • oder ziehen Sie sich in einen leeren Konferenzraum zurück und machen Sie ein Nickerchen oder Stretch-Übungen.

Eine kleine Auszeit gönnen!

Durch die kurze Auszeit und den Abstand holen Sie sich kurz komplett aus Ihrer Arbeit raus. Das schenkt Ihnen kreative Kraft und mehr Konzentration. Diese Methode stabilisert Ihren Zucker massiv und langfristig – keiner bekommt in Ihrem Umfeld wirklich etwas davon mit – im Endeffekt zählt nur Ihre produktive Leistung und Ihre positive Ausstrahlung. Oder meinen Sie etwa, dass alle Menschen in 8 Stunden Arbeitszeit dieselben Ergebnisse abliefern, nur weil sie gleich viel Zeit für Ihren Job haben?

 

Mit der Methode der regelmäßigen, kurzen Arbeitsunterbrechungen wirken Sie entgegen, dass Ihr Diabetes entgleist und Sie wohl möglich irgendwann länger ausfallen. Ferner stärken Sie Ihr Immunsystem und das schützt Sie auch vor anderen Krankheiten wie der Grippe.

 

Da wir krankheitsbedingt theoretisch jederzeit mal kurzzeitig ausfallen können – was wir nicht wollen, weil wir sonst den Vorurteilen der Gesellschaft entsprächen -, sollten wir und tagtäglich bewusst in Achtsamkeit üben und intelligen mit unserem Energiestatus haushalten.

 

Das hat nichts damit zu tun langsamer oder gar schlechter zu arbeiten, im Gegenteil.

 

Lasst uns nicht vergessen, welcher Doppelbelastung wir tagtäglich ausgesetzt sind mit unserem Diabetes. Sich aufgrund dessen bewusst zu entschleunigen und damit etwas für sich und seine Gesundheit zu tun, ist positiv für einen selbst sowie für die Kollegen/innen und den Arbeitgeber.

 

Auch wenn Sie in der Regel kein Recht auf Sonderpausen während der Arbeitszeit haben, z.B. zum Blutzuckermessen oder Insulin spritzen, finde ich es absolut empfehlenswert und vertretbar, sich als gesundheitlich beeinträchtigter Mensch zwischendurch besonnen Pausen zu nehmen.

 

Diese Handhabung dient nach meiner Auffassung primär als „Instandsetzung“, welche langsfristiges Wohlbefinden fürdert, zu einer verbesserten Gesundheit beiträgt und einer effizienteren Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeiten dient. Kaum ein Arbeitgeber würde wohl etwas dagegen haben, wenn Sie so auch Ihre Arbeitsfähigkeit aufrechterhalten zu können.

 

HInweis: Schwerbehindertenausweis

 

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass sich eine Mitgliedschaft im Sozialverband VdK1 rentiert, um einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Eine Steuerersparnis sowie 5 Extra-Tage Urlaub pro Jahr, erhalten Sie ab einen Schwerbehindertenstatus ab einem GdB von 50 (Grad der Behinderung). Der Extra-Urlaub kann für regelmäßige Arztbesuche verwendet werden oder um unsere „Batterien“ wieder aufzuladen, um so gut funktionieren zu können wie unser kern-gesundes Umfeld.

 

Sie fragen sich, ob Sie „schwerbehindert“ sind? Sozialgesetzbuch (SGB) IX:

Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.”

Und noch etwas:

Bei der Feststellung der Behinderung geht es damit keinesfalls nur um die Art der Erkrankung/Behinderung oder um eine Diagnose, sondern immer um ein Funktionsdefizit, während einer entsprechenden Dauer (länger als sechs Monate) und der Auswirkung auf das Teilhaben am Leben in der Gesellschaft.

 

Entscheiden Sie aber mit Bedacht, ob und wann Sie Ihrem Arbeitgeber von Ihrem Behindertenausweis erzählen. Unter Umständen haben Sie mehr Aufstiegschancen, wenn Sie eingangs nichts darüber erwähnen. Mehr darüber erzähle ich Ihnen in einem späteren Kapitel bei dem Punkt Karriere.

 

1Sozialverband VdK Deutschland e.V.: http://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/24568/behinderung 

 

Wie seht Ihr das?

Liebe Grüße

Eure Vivi